Aktuelle Informationen aus der Evang. Kirchengemeinde Wüstenselbitz Nr.1

Liebe Gemeinde,

„Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien,“ (Ps 34,16), von diesem Psalmvers hat der vergangene Sonntag seinen Namen – Okuli, zu deutsch: Augen. Der Sonntag wird in Erinnerung bleiben, denn an diesem Sonntag haben wir für unbestimmte Zeit das letzte Mal räumlich zusammen Gottesdienst gefeiert. Und da ist es gut zu wissen und zu hoffen, dass die Augen des HERRN auf die Gerechten merken. Seine Augen werden die, die er selbst gerecht spricht, nicht verlassen.

Nun also stehen wir in der Kirchengemeinde vor gravierenden Einschnitten so wie sie für alle zu spüren sind: die Kinder sind zu Hause und müssen irgendwie versorgt werden, gleichzeitig muss der Alltag organisiert werden, denn Arbeitsleben existiert nach wie vor und muss aufrechterhalten werden. Das, was unser menschliches Leben ausmacht, soziales Leben, Gemeinschaft, das muss jetzt vermieden werden. Das, was Kern der befreienden Botschaft Gottes ist, Leben in, mit und für Gemeinschaft, das muss zurückgefahren werden. Das ist paradox, denn genau das ist das Gebot der Stunde: solidarisch zum Mitmenschen sein, indem wir die Kontakte massiv einschränken.

Davon sind alle unsere Bereiche betroffen, ob nun Seelsorge, Gottesdienst oder Bildung. Taufen und Trauungen kann es jetzt nicht geben, die Konfirmation müssen wir verschieben, wie wir Ostern feiern, wissen wir noch nicht, immerhin das größte Fest der Christenheit zusammen mit Karfreitag. Räumlich werden wir jetzt nicht zusammenkommen – wir wissen nicht, für wie lange nicht.

Aber wir haben Pläne, damit umzugehen:

Gottesdienst: das ist ja auch Dienst an und für Gott und so kann der nicht einfach wegfallen. Ja, selbstverständlich werden wir uns daran halten, dass wir nicht räumlich zusammen Gottesdienst feiern. Aber es gibt folgende schöne Möglichkeit – Italiener haben mich auf die Idee gebracht, aus der Not eine Tugend zu machen. Am Sonntag um 10.15 Uhr läuten die Glocken, jetzt nicht Zeichen hinzugehen ins Gotteshaus, aber Signal dafür, jetzt die Fenster zu öffnen. Jede/r setzt sich ans offene Fenster, stellt nach Möglichkeit eine Kerze in einem Windlicht auf, singt, liest und betet nach Möglichkeit laut mit – das Dorf darf wissen: wir feiern Gottesdienst. Damit das funktioniert erhalten die Gottesdienstfeiernden und die, die es wollen, bis Sonntag jeweils ein Blatt, auf dem der Ablauf, die Lieder und Gebete, die biblischen Texte enthalten sind. Die Predigt erhalten Sie dazu. Damit Sie wissen, wann was geschieht, werden Glockenzeichen gegeben. Die stehen dann auf dem gelieferten Blatt. So geben wir Gott die Ehre und finden in dieser Zeit auch Wege, Gemeinschaft zu leben – räumlich getrennt. Niemand geht in die Kirche, aber wir feiern im Geist zusammen.

Seelsorge: Statt der Geburtstagsbesuche und der anderen Besuche erhalten Sie Anrufe und Briefe. Wir teilen uns das im Kirchenvorstand auf. Und: nutzen Sie die Gelegenheit, selbst im Pfarramt anzurufen. Oder schreiben Sie. So werde ich es mit den Bibelerkundungen tun: Ich schreibe zu dem jeweiligen Text meine Gedanken, schicke diese an den Kreis derer, die sonst auch da sind (wenn andere sie wollen, bitte melden!), schließe mit einem offenen Gedanken, so dass Sie weiterdenken, schreiben können. Wenn Sie Lust haben, schicken Sie mir bzw. uns ihre Gedanken. Und dann bei Reduzierung der Kontakte bleibt Zeit, die Geschichten der Befreiung und der Hoffnung zu lesen, sprich die Bibel in die Hand zu nehmen und darin wie in einem Roman zu lesen.

Bildung: Die Konfirmanden bekommen kleine Aufträge für zu Hause und dem Kreis „Mit 66 Jahren … „ sende ich kleine interessante Notizen – per Brief oder E-Mail.

Der kommende Sonntag heißt Laetare – Freue dich – mitten in der Passionszeit – mit unseren schönen rosa Paramenten! Der Predigttext beinhaltet den schönen Satz „Freue dich mit Jerusalem …“, lenkt also unseren Blick auf die Stadt des Friedens, die nie Stadt des Friedens war und ist. Und dennoch die Aufforderung „Freue dich …“. Das kann spannend werden, doch dies und das zu suchen, was Anlass zur Freude ist. Spätestens bis Sonntag früh um 9.00 Uhr dann in Ihrem Briefkasten oder in Ihrer Mail-Box mehr.

Mit Grüßen des gesamten Kirchenvorstandes

in Verbundenheit

Ihr Pfarrer Hans-Jürgen Müller

PS: Bitte teilen Sie telefonisch mit, ob Sie das Gottesdienstblatt haben wollen (Tel.: 442) oder per Mail (hans-juergen.mueller@elkb.de)

Neben unserer Form den Gottesdienst zu feiern, gibt es die Möglichkeit, Gottesdienste im Radio bzw. Fernsehen zu sehen.